LEONARDO DA VINCI - VON MICHAEL KUPFERMANN

Beltraffio daVinci Kunst Malerei Meisterschüler Renaissance

LEONARDO DA VINCI - DAS TAGEBUCH DES GIOVANNI BELTRAFFIO

Eine biografische Skizze mit realen Fragmenten aus dem Leben Leonardos und Imprerssionen des heutigen Zeitgenossen Michael Kupfermann

45 Seiten

Mit 32 Zeichnungen des Meisters und

4 ganzseitigen, farbigen Blättern und

14 einfarbigen Zeichnungen des Autors

Amtshofpresse

ISBN 392270459X

 

 

Inhalt des Werkes

Biografische Skizze

Das Tagebuch des Giovanni Beltgraffio

Meisterworte

Der Übergang in Leonardos Leben

Der Traum vom Fliegen

Die letzten Lebensjahre

 

 

Leonardo - ein legendärer Name.

Ein Synonym für Größe und universalen Geist.

Diese Einschätzung ist nicht verwunderlich, denn der Träger dieses Namens war in fast allen Bereichen geistiger und kultureller Betätigung gebildet:

In Mathematik und Geometrie; in Physik, Ingenieurkunst, Anatomie, Geologie, Botanik, Geografie; in Musik, Bildhauerei und in der Malerei. 

Die Aufzählung seiner persönlichen Eigenschaften ist ebenso beeindruckend:

Gutaussehen, Kraftvoll, gewandt, intelligent, beredsam, großzügig; ein einnehmendes Wesen, Geist und Tapferkeit; königlich und großmütig.

Seine Fehler: Man nannte ihn launisch und unbeständig, unzuverlässig und saumselig.

 

Er war schnell ungehalten und ärgerte sich über Kleinigkeiten, war eitel und affektiert.

Man denke an seine unkonventionelle Manier, von rechts nach links zu schreiben oder an seine exzentrische Kleidung. Zu Zeiten, da andere lange Gewänder in nüchternen Farben trugen, war er in ein kurzes Wams und enge Hosen aus blauem und karmesinrotem Samt und Silberbrokat gekleidet.

Man denke daran, wie er sich der Welt in seinem berühmten „Selbstbildnis“ mit langem Bart und melancholischer Miene präsentierte: Attribute, die in der Renaissance einen tiefen Geist bezeichneten. Der Künstler und Autor Gianpaolo Lomazzo aus dem späten 16. Jahrhundert fühlte sich zu der Erklärung veranlaßt:

„Leonardo pflegte sein Haar und seinen Bart so lang zu tragen, und seine Augenbrauen waren so buschig, daß er wie die schiere Idee edler Weisheit erschien." 

Empfand sich Leonardo als ein neuer Aristoteles oder Plato?

Oder hielt er sich, wie Lomazzo meint, für den Weisen Hermes Trismegistus oder vielleicht für Prometheus, das Symbol des unstillbaren menschlichen Wissensdurstes?

Diese Aura, mit der sich Leonardo umgab, veranlaßte fast alle großen Männer und Frauen seiner Zeit, um ein Bildchen von des Meisters Hand zu bitten.

Das höchste Lob, das Leonardo zuteil wurde, war das Lob, das er von Giorgio Vasari erhielt. Dieser berühmte Lebenschronist des 16. Jahrhunderts, war selber Künstler und ein enger Freund von Leonardos Erzrivalen Michelangelo. Doch Leonardos Werke und sein Ansehen waren so überwältigend, daß sich Vasari veranlaßt fühlte, sich über seine Parteilichkeit zu erheben und ihn auf diese Weise zu beschreiben:

„Die Himmel lassen oft die reichsten Gaben auf menschliche Wesen herabregnen; doch zuweilen verleihen sie mit verschwenderischer Fülle einem einzigen Menschen Schönheit, Anmut und Begabung, so daß alles, was er tut und jede seiner Handlungen so göttlich ist, daß er alle anderen Menschen überragt und deutlich sichtbar macht, wie diese Größe das Geschenk Gottes und nicht eine Errungenschaft menschlicher Kunst ist. Die Menschen sahen dies in Leonardo.“

Und die Welt tut es immer noch. (Jack Wassermann)

 

 

Original von Michael Kupfermann

Kurzbiografie

Leonardo da Vinci wurde 1452 in Anchiano bei Vinci, einem kleinen Bergdorf in der Toscana, geboren. Er war der voreheliche Sohn des Notars Ser Piero und eines Landmädchens namens Caterina. Diese doch eigentlich unangenehme Verbindung für einen Mann von Stand und Herkunft wurde geschickt kaschiert von dem Großvater Leonardos, Ser Antonio da Vinci, der kurzerhand seinen Sohn nach Florenz zurückschickte, um ihn dort mit der mitgiftträchtigen Madonna A libiera di Ser Giovanni A madori zu verheiraten. Caterina wurde mit einem trunksüchtigen Tagelöhner verheiratet, der den Namen Accattabrighe die Piero del Vacca trug. Für dreißig Fiorini und ein Stück Land konnte ihn Ser Antonio überreden, mit seinem Namen die „fremde Sünde“ zu decken. Caterina fügte sich ohne Widerspruch.

Da man sich zu jener Zeit unehelicher Kinder nicht schämte, nahm Ser Pieros Vater Leonardo in sein Haus. Ser Antonio vertraute den Knaben seiner Frau, Madonna Lena die Piero da Baccareto, an. So kam Leonardo, Sohn eines vierundzwanzigjährigen Notars, in das tugendsame und gottesfürchtige Haus der Vincis. Leonardo hat jedoch nie die Erinnerung an seine Mutter verloren, die er wohl sehr liebte, denn er hatte Gelegenheit, sie hin und wieder zu sehen. So hatte er wohl an seine Mutter gedacht, könnte man sagen, als er später in seinem Buche über die Malerei schrieb:

„Hast du nicht bemerkt, daß Frauen aus den Bergen in groben, armseligen Stoffen mit ihrer Schönheit oft die reich geputzten Frauen übertreffen?“ Es ist auch nicht als unwahrscheinlich anzusehen, daß die rätselhafte Begabung des Malens vom halb angedeuteten Lächeln seiner berühmten Frauenbildnisse (Mona Lisa) von einer tiefen Verbindung zu seiner Mutter herrührt, die vielleicht jenes unergründliche und flüchtige, sowie geheimnisvolle, melancholisch anmutende, von Liebe und Zärtlichkeit durchstrahlte Lächeln besaß.

Mit sieben Jahren kam Leonardo in die Schule der Kirche Santa Petronilla in der Nähe von Vinci. Hier erfuhr er die übliche Elementarerziehung jener Zeit, wie Lesen, Schreiben, Rechnen und wohl auch ein wenig Latein. Er wuchs auf als ein Knabe, der sich schon früh und intensiv mit seiner Umwelt, speziell mit der ihn umgebenden Natur, auseinandersetzte. Er liebte die Pflanzen und Tiere auf eine ehrfurchtsvolle Weise, die ihn sein ganzes Leben lang begleiten sollte. Leonardo lebte schon damals recht einsam. Er vermochte kaum, sich Gleichaltrigen anzuschließen, die ihn als einen Außenseiter betrachteten und ihm häufig, wie unter Knaben recht üblich, kleine Lektionen erteilten. Da Leonardo die Natur sehr liebte, so streunte er auch oft herum und vergaß dabei wohl auch häufig seine schulischen Pflichten. Dies wurde streng geahndet und durch Einsperren oder Schläge gesühnt. So schrieb er auch später in seinem Tagebuch, als er einmal dieser Ungerechtigkeiten gedachte — die erste der langen Reihe von Ungerechtigkeiten — die ihm zu erdulden beschieden waren:

„Wenn man dich schon als Kind deshalb eingesperrt hat, weil du recht tatest — was wird man da jetzt mit dir anfangen, wo du erwachsen bist?“

Neben seiner Schulzeit, etwa im Alter von elf Jahren hatte Leonardo Gelegenheit, den Baumeister Biagio da Ravenna aus Florenz kennenzulernen. Dieser erkannte wohl durch gewisse Äußerungen Leonardos Interesse für die Mathematik, und so lehrte er ihn die ersten Elemente der Arithmetik, Algebra, Geometrie und Mechanik. Offenbar wuchsen zu dieser Zeit dem Großvater die erzieherischen Aufgaben des Knaben über den Kopf. Auch daß Leonardo Linkshänder war, irritierte ihn mit zunehmendem Maße, denn es galt als ein böses Zeichen. Man glaubte zur damaligen Zeit, alle Menschen, die später einmal einen Vertrag mit dem Teufel eingehen, also alle Zauberer und Schwarzkünstler, kämen als Linkshänder zur Welt.

Als Leonardo 13 Jahre alt wurde, nahm ihn sein Vater zu sich nach Florenz. Seine Heimat und also auch seine Mutter sollte er nur noch selten sehen. Er lebte nun zusammen mit seinem Vater in einem florentinischen Hause am Palazzo Vecchio. Zu jener Zeit lebt in Florenz auch der bekannte Mathematiker, Physiker und Astronom Paolo dal Pozzo Toscanelli. Er hatte durch gewisse Berechnungen festgestellt, daß der Seeweg nach Indien über die Antipoden längst nicht so weit sein müßte wie allgemein angenommen wurde. Dies hatte er seinerzeit Christophorus Columbus mitgeteilt, und man munkelte, daß ohne diese Berechnung die Entdeckung, die Columbus machte, nie möglich gewesen wäre. Zu diesem Tascanelli kam nun für kurze Zeit Leonardo. Hier hatte er die Möglichkeit, vorwiegend physikalische und astronomische Kenntnisse zu erwerben.

Glücklicherweise erkannte Leonardos Vater, daß sein Sohn über ausgeprägte künstlerische Fähigkeiten und Talente verfügte und schickte ihn daher, im Alter von 15 Jahren, in die Werkstatt des damals berühmten Malers und Bildhauers Andrea del Verrocchio. Hier, unter den Schülern des Andrea di Cione, wie der eigentliche Name lautete, war Leonardo in bester Gesellschaft, denn mehrere seiner Mitschüler wurden später berühmte Maler. Verrocchio war ein Künstler, der neben dem Malen von Gemälden auch Bildschnitzereien und Metallarbeiten verfertigte. Doch auch in technisch-mechanischen Künsten konnte sich Leonardo Erkenntnisse verschaffen, denn Verrocchio hielt die Mathematik für die Grundlage der Kunst und der Wissenschaft. Er behauptete weiter, die Geometrie, als ein Teil der Mathematik, sei die Mutter aller Wissenschaften und gleichzeitig die Mutter des Disegno, der seinerseits der Vater aller Künste sei. 

Allumfassendes Wissen und vollkommener Genuß des Schönen war für ihn untrennbar. Er befaßte sich nicht nur mit dem Malen von Portraits oder ähnlichem, sondern auch mit Dingen des religiösen oder häuslichen Gebrauchs, mit Skizzen besonders häßlicher oder besonders schöner Körperformen des Menschen. Verrocchio suchte nach den Gesetzmäßigkeiten, wie später auch Leonardo. Mit wohl unendlicher Geduld verglich, maß, erforschte und gestaltete er alles. Er ahnte eine gewisse Gesetzmäßigkeit des Schönen, die jedoch eine mathematische Notwendigkeit war. Man könnte Verrocchio auch einen Gestalter des Schönen nennen, denn er liebte und sammelte viele Dinge. wie z. B. Handarbeiten, Schnitzereien und Dinge, die er in der Natur fand, um sie oft als Beiwerk für seine Bilder oder als Anschauungsmaterial für seine Schüler zu verwenden. 

Andrea Verroechio war jedoch nicht nur ein Lehrer für Leonardo, sondern sollte auch sein Schüler werden. Auf dem Bilde „Die Taufe Christi,“ welches die Brüderschaft von Vallombrosa bei Verrocchio bestellt hatte, malte Leonardo im Alter von 23 Jahren einen knienden Engel mit gewandartigem Tuch. Hierzu schreibt der Maler und Baumeister Vasari: 

„Obwohl er noch jung war, führte er diese Gestalt so vollendet aus, daß sein Engel die Figuren des Andrea Verrocchio bei weitem übertraf. Dieser Engel trägt wohl die ersten charakteristischen Züge der Malweise Leonardos, wie z. B. die typische Art der Verkürzung des Gesichts, das lockenerfüllte Haupthaar (Sfumato) und der sanfte Blick der Augen.

Auch Verrocchio erkannte das malerische Genie Leonardos und soll der Sage nach bei dem Anblick des von Leonardo gemalten Engels erblaßt sein. Es kränkte seine Würde, daß sein noch jugendlicher Schüler mehr konnte als er. Leonardo war es gelungen, Schönheit so vollkommen, unter Berücksichtigung aller Gesetzmäßigkeiten, darzustellen, wonach Andrea Verrocchlo sein ganzes Leben lang suchte.

Leonardos erstes bekanntes Werk dürfte wohl das Haupt der Medusa sein, welches er auf ein rundes Holzschild während seiner Lehrzeit für seinen Vater malte. Den Vater versetzte dieses Bild jedoch derart in Schrecken, daß dieser es an einen florentiner Bilderhändler für 100 Dukaten verkaufte. Der Bilderhändler verkaufte es weiter an den Herzog von Mailand.

Nach sechsjähriger Lehrzeit wurde Leonardo 1472 in die florentiner Malzunft aufgenommen. 

Zu dieser Zeit entwarf er einen seidenen Vorhang, der in Flandern in Gold gestickt werden sollte. Die florentiner Bürger wollten ihn dem König von Portugal schenken. Der zeichnerische Entwurf stellte den Sündenfall Adams und Evas dar. Diesen Entwurf zeichnete Leonardo auf eine Weise, die seine große Beobachtungsgabe und seine Verbundenheit zur Natur, also die exakte Wider- gabe derselben erkennen ließ. Leonardo muß sich den Sündenfall wohl derart verinnerlicht haben, da folgende Worte, die in der Bibel zu finden sind, geradezu aus jenem Bildnis zu seinem Betrachter sprachen: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben, sondern Gott weiß, daß welchen Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

 

 

Der Leib - ein Tempel für die Gottheit?

Dies waren aber nicht Leonardos einzige Werke zu jener Zeit. Diese Zeit wird als frühe Periode Leonardos bezeichnet, die Madonna mit der Nelke, die Verkündigung an Maria (Uffizien) und die Verkündigung an Maria (Louvre), der heilige Hieronymus (Vatikan), die Madonna Benis, vor allem aber das wunderbare Gemälde der sogenannten Ginevra Benci, entstanden. 

Hier spürt man Leonardos Einfühlungsvermögen in die weibliche Psyche und seinen Drang, das gemalte Bildnis so naturgetreu und lebendig zu gestalten. daß man meinen könnte, Leonardo habe bei jedem Pinselstrich versucht, die Farbe zum Leben zu erwecken. Leonardo muß eine ganz besondere Beziehung zu Frauen gehabt haben, was an der tiefen Liebe zu seiner Mutter gelegen haben mag. In seiner strengen Familie konnte nie eine richtige Mutter-Kind-Beziehung entstehen. Aus diesem Grunde sind wohl die Madonnenbildnisse in der frühen Periode gleich nach seiner Lehrzeit 1478 entstanden. Auf seinen frühen Bildern erscheinen seine Madonnen als junge Mädchen mit einem spielenden Kind auf dem Schoß, merkwürdigerweise jedoch meist ohne Heiligenschein. Später einmal sagte Leonardo zu seinen Schülern, als sie über seine Arbeiten sprachen:

„Durch Ergründung der Naturgesetze preisen wir den ersten Erfinder, den Künstler des Weltalls und lernen ihn lieben. Denn große Liebe zu Gott entspringt aus Erkenntnis. Daher — wer wenig weiß, liebt wenig. Die Liebe ist die Tochter der Erkenntnis, die Liebe ist um so feuriger, je tiefer die Erkenntnis.“

Durch dieses Zitat wird erklärlich‚ warum der Heiligenschein, der doch oft zu jener Zeit auf derartigen Bildnissen dargestellt wurde, gerade bei Leonardo fehlt. Leonardo ist wie jeder Künstler aus einem inneren Schaffensdrang tätig. Hinzu kommt, daß er eine tiefe Ehrfurcht und Liebe zur Natur und ihren Lebewesen hatte, die ihm eine fast übersinnliche Erkenntnis des naturhaften Lebens und seiner Gesetzmäßigkeiten zuteil werden ließ. Daher kann man die Madonnenbildnisse als Darstellung der Mutter Natur, die dem Kind (das Sinnbild für alle Lebewesen auf der Erde) nicht nur das Leben, sondern auch Liebe und Geborgenheit schenkt. Leonardo ließ sich nicht durch „religiöse Frömmeleien“. die zu jener Zeit das Weltgeschehen wohl entscheidend mitprägten, beirren, sondern er sah den Dingen klar ins Auge. Daher konnte er wohl auch seine schöpferische Kraft erhalten, die er bewußt und zielstrebig aus eben dieser klaren Erkenntnis und Bewußtheit einsetzte. Diese Folgerung ist nicht allein mit dem Fehlen des Glorienscheins zu belegen; nur das Gesamtwerk Leonardos kann uns zu einem Erkennen der Persönlichkeit führen.

Es gab viele Diskussionen um die Frage welche Madonnenbildnisse nun wirklich aus der Hand Leonardos stammen. Die Madonna mit der Nelke (Münchener Pinakothek) könnte z.B. mit Leonardos Madonna della Caraffa identisch sein, die Papst Clemens Vll. besaß. Ebenso gehört die Madonna mit der Lilie (Eremitage) auch als Madonna Benis bekannt — fast mit Sicherheit zur Gruppe der Marienbilder Leonardos aus dem Jahre 1478. 

Über die Zuschreibung der Madonna mit der Katze entwickelte sich kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eine lebhafte Diskussion. Das Gemälde blieb verschwunden. Erhalten sind nur eine Anzahl von Skizzen. In einer dieser Zeichnungen glaubte ein Industrieller aus Savona, eine unverkennbare Ähnlichkeit mit einem unsignierten Madonnenbild seiner Sammlung zu entdecken. Viele Kunstwissenschaftler teilten seine Meinung, daß man Leonardos Original wiedergefunden hätte. Die nährende Madonna oder Madonna Litta war 1543 im Besitz des Michiel Contarini in Venedig und gelangte dann in die Casa Litta nach Mailand, wo der Zar Alexander II. sie für seine Eremitage erwarb. Sie gilt schon von altersher als Werk Leonardos, obwohl sich keine Beweise dafür finden lassen.

Im Jahre 1481 erhielt Leonardo von den Mönchen von San Donata a Scapeto den Auftrag, die Anbetung der Heiligen Drei Könige als Altarbild zu malen. Im Entwurf zu diesem nie vollendeten Werk kann der Betrachter feststellen, welche Kenntnis Leonardo in der Anatomie und welches Einfühlungsvermögen er für menschliche Gefühle und Körperbewegungen hatte. Für Leonardo begann nun eine Zeit der inneren Krise. Er wollte malen, aber andere Gebiete interessierten ihn mehr und mehr, und ihm kam einer Eingebung gleich die Erkenntnis, daß er nicht alles auf 

einmal mit seinen geistigen Kräften bewältigen konnte, und das führte zu einer starken inneren Zerrissenheit. Ein Wink des Schicksals ließ ihn jedoch im Jahre 1482, damals war Leonardo dreißig Jahre alt, nach Mailand gehen, nicht als Künstler oder Gelehrter, sondern als Hofmusiker und später als Mechaniker. Er hatte eine vielsaitige, silberne Laute in der Form eines Pferdeschädels erfunden, die er auf Vorschlag des Herzogs Lorenzo dem der Lombardei Ludovico Sforza il Moro zum Geschenk machte. Leonardo mag sich wie folgt jenem Herzog Moro in einem Brief vorgestellt haben: 

„Nachdem ich, Leonardo da Vinci, die Arbeiten der jetzigen Erfinder von Kriegsmaschinen geprüft habe, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß sich nichts Neues entwickelt hat, und deshalb möchte ich Euch die Geheimnisse meiner Kunst eröffnen.“ Nun zählte er verschieden Erfindungen auf, und es hieß weiter: „besonders leichte, feuerfeste Brücken, eine neue Art, jede Festung und jedes feste Schloß, sofern sie nicht auf Felsboden gebaut sind, ohne Bombarden zu zerstören, unterirdisch, unter Gräben und Flüssen Gänge und Minen möglichst geräuschlos und schnell anzulegen, verdeckte Streitwagen, die sich in die feindlichen Reihen einschneiden und die keine Macht aufhält, Bombarden, Kanonen, Mörser und Passavolatren von einer neuen, sehr schönen und nützlichen Form, Sturmböcke für Belagerungen, Steinwurfmaschinen, dann verschiedene Angriffs- und Verteidigungswaffen für Seeschlachten, Schiffe, deren Wände steinernen und eisernen Geschossen Trotz bieten und neuartige Explosionsstoffe. In Friedenszeiten könnte ich als Baumeister dienlich sein, z. B. bei der Ausführung von Bauten und der Anlage von Kanälen und Wasserleitungen. Auch in allen künstlerischen Gebieten kann ich Gutes leisten.“ Leonardo konnte die Gunst und Anerkennung von dem launenhaften, in religiösen Träumereien schwelgenden Ludovico erlangen, wohl aufgrund der Tatsache, daß Leonardo zu jener Zeit eine starke Persönlichkeitsausstrahlung hatte. Hierzu sind in verschiedenen Schriften über seine Person folgende Sätze zu finden: 

„Kein Jugendbildnis von ihm ist erhalten, aber alles deutet daraufhin, daß bis zu dieser Zeit ein seltener Zauber seiner Stimme und Erscheinung ihn umgab, der hinreichte, um den Makel seiner Herkunft auszugleichen. Seine körperliche Kraft war groß. Es wird behauptet, daß er ein Hufeisen wie ein weiches Blei biegen konnte.“

Zu dieser Zeit hatte sich Leonardo in Mailand schon mit allen möglichen Wissenschaften beschäftigt, denn die Neugier und das unbedingte Begehren nach der absoluten Schönheit war jetzt sein Leben. Die geistigen Kräfte des Menschen waren im fünfzehnten Jahrhundert jedoch verschiedenartig, eigentlich zweifach. Zum einen die Renaissance, andererseits aber das sogenannte Aufstreben des modernen Geistes mit seiner scharfen Realität und der Rückschau auf Erfahrungen. 

Diese Rückkehr zur Antike war ein Zurückbesinnen zur Natur. Rafael z. B., geboren 1483 in der Zeit, als Leonardo seine Kräfte in Mailand sammelte, um Neues zu erkennen und zu schaffen, vertrat die Rückkehr zur Antike, Leonardo jedoch die Verschmelzung der Antike mit der Natur. 

Hier versuchte er seinen grenzenlosen Erkenntnisdrang durch fortwährende Entdeckungen zu befriedigen und gleichzeitig seinen mikroskopischen Genauigkeitssinn durch die äußerste Feinheit organischer Gebilde, jener subtilitas naturae, welche auch Roger Bacon bemerkt, auszubilden. Teile hierzu sind in Goethes „Geschichte der Farbenlehre“ zu finden. Leonardo stand zu jener Zeit auf vertrautem Fuße mit den verschiedensten Gelehrten wie z.B. Fra Luca Paccioli, dem Mathematiker, und Marc Antonio della Torre, dem Anatomen. 

Leonardo konnte dreizehn Bände füllen mit Aufzeichnungen und Experimenten. Er erklärte das verdunkelte Licht des unbeleuchteten Mondes, wußte, daß das Meer einst die Berge, auf denen Muschelschalen gefunden wurden, überflutet hatte und Äquatorialwasser sich über Polarwassern sammelt. Heute würde man wohl sagen, Leonardo sei ein Hellseher gewesen oder nicht zu Unrecht ein „Eingeweihter, der Eingebungen hatte, wodurch er gedanklich in der Lage war, spätere Entwicklungsstufen der modernen Wissenschaft lange vorwegzunehmen. Er war immer bemüht, in das geheimste Dunkel der Natur und ihrer Geschehnisse einzudringen. 

Er wählte besonders in seiner Malerei immer das Seltene, Entfernte. Das war jedoch in Wirklichkeit nur ein Beweis von noch viel verfeinerterer Gesetzmäßigkeit, wie z. B. die Wirkungen, welche merk- würdige Luftbildungen um die Gegenstände in wechselnder Beleuchtung oder bei gleichzeitig verschiedenen Lichtern hervorrufen. Leonardo liebte das Geheimnisvolle in der Landschaft, wie z. B. Hohlwege mit bläulich-grünlichen Farben, spielende Schattentöne dunkler, verwitterter Felsen, schroffe Basaltklippen, die sich im Wasser in feine Lichtflecken zerteilen. 

Diese Art der Darstellungsweise finden wir vor allem bei dem Bildnis „Madonna in der Felsengrotte“ und bei der später entstandenen Darstellung der „Gioconda“ oder bekannter als „Mona Lisa.“ Das erste, also die Madonna in der Felsengrotte, malte Leonardo in Zusammen- arbeit mit den Brüdern Ambrogio und Evangelista de Predis um das Jahr 1483. Dieses Bildnis war gedacht für den Altar der Unbefleckten Empfängnis in der Kirche San Francesco zu Mailand. Da Leonardo, wie schon oberflächlich erwähnt, sich mit anderen Dingen gewissermaßen aus einem inneren Zwang beschäftigen mußte, wurde das Werk nicht zum vereinbarten Termin fertiggestellt. 

Dies hatte einen Prozeß zur Folge, der sich über ein Vierteljahrhundert in die Länge zog. Nach den Erkenntnissen verschiedener Untersuchungen ist das Gemälde im Louvre die erste Fassung und stammt ganz und gar von der Hand Leonardos, während die in London zu sehende Version deutliche Spuren der Mitarbeit von Ambrogio de Predis enthält. Später wurde dieses Bildthema auch von seinen Schülern noch einmal aufgegriffen. Leonardo malte mehrere Persönlichkeiten des damaligen Mailänder Hofes, so die beiden Geliebten des Herzogs Moro, Lucretia Crivelli und Cäcilia Galerani, die Dichterin, Ludovico il Moro selbst und die Herzogin Beatrice. Das Bildnis der Cäcilia Galerani ist verlorengegangen, doch das Portrait der Lucretia Crivelli wurde im Louvrebild, La belle Ferronire wiedererkannt und Ludovicos bleiches, aufgedunsenes, unruhig gespanntes Gesicht ist in der Bibliothek von Ambrosiana zu finden. 

Ihm gegenüber befindet sich das Bildnis der Beatrice d’Este, auf welchem man erkennen kann, daß Leonardo ein Vorgefühl des herannahenden Unglücks hatte. Ludovicos Ehe war zerrüttet, und die Schwangerschaft verlief mit tödlichem Ausgang. Dieses Bildnis malte er so, daß er sie streng und kühl erscheinen ließ, unterstrichen durch die zarten Spiegelungen der unnahbaren Seele im Ausdruck ihrer Augen.

 

 

Giovanni Beltraffio

kam als einer der ersten Schüler um das Jahr 1494 zu Leonardo. Etwas später folgten Salanio, Marco d’Oggiono und Francesco Melzi, um nur einige wichtige Namen zu nennen. Sie alle lebten viele Jahre lang als Schüler und Lebensgefährten an Leonardos Seite. Francesco Melzi, der ihm als einziger nach Frankreich folgte, blieb bei ihm bis zu seinem Ende. Aufgrund dieser Treue vermachte Leonardo ihm dann später sein Vermächtnis. Aus dem Tagebuch des Giovanni Beltrafio wird die Persönlichkeit Leonardos sehr deutlich skizziert.

 

 

Meisterworte an seine Schüler

„Höre geduldig alle Meinungen über dein Bild an, wäge sie und überlege, ob diejenigen recht haben, die dich tadeln und Fehler finden. Wenn sie recht haben, verbessere die Fehler; wenn nicht, so tue so, als habest du es nicht gehört. Suche nur solchen Menschen, die wirklich Beachtung verdienen, zu beweisen, daß sie irren. Das Urteil eines Feindes ist oft gerechter und nützlicher als das Urteil eines Freundes. Der Haß sitzt im Menschen fast stets tiefer als die Liebe. Der Blick eines Hassenden ist schärfer als der Blick eines Liebenden. Der wahre Freund ist wie du selbst. Der Feind aber ist verschieden von dir, und das ist seine Stärke. Der Haß wirft Licht auf vieles, was der Liebe verborgen bleibt. Merke dir das und verachte nicht den Tadel deiner Feinde.“

„Vor allen Dingen hüte dich vor groben Umrissen. Die Ränder deiner Schatten auf einem jungen, zarten Körper sollen nicht leblos, nicht steinern sein, sondern leicht, flüchtig und durchsichtig wie Luft. Denn auch der menschliche Körper ist ja durchsichtig, wovon du dich leicht überzeugen kannst, wenn du die Finger gegen die Sonne hältst. 

Allzu grelles Licht gibt keinen schönen Schatten. Hüte dich vor dem grellen Licht: beachte, wie zart und schön in der Dämmerung oder an dunstigen Tagen, wenn die Sonne hinter den Wolken steht, männliche und weibliche Gesichter in schattigen Straßen zwischen dunklen Hauswänden wirken. Das ist das vollkommenste Licht. Deine Schatten sollen sich ganz allmählich im Licht verlieren, sie müssen vergehen wie Rauch oder wie die Töne einer leisen Musik. Denke daran, daß es zwischen Licht und Schatten noch etwas Mittleres gibt, etwas Zweispältiges, das beiden gleicherweise eigen ist, wie heller Schatten oder dunkles Licht. Das mußt du suchen. Künstler— darin liegt das Geheimnis ergreifender Schönheit!“

So sprach er, dann hob er die Hand, als wollte er dieses Wort unserem Gedächtnis einprägen, und wiederholte mit einem unbeschreiblichen Ausdruck:

“Hütet euch vor dem Grellen und Aufdringlichen! Eure Schatten sollen schmelzen wie Rauch (Leonardos berühmtes „sfumato!“)‚ wie Töne einer fernen Musik!"

„Hüte dich, daß die Gier nach Gold in dir nicht die Liebe zur Kunst erstickt!

Denke daran, daß das Erwerben von Ruhm, etwas Größeres ist als der Ruhm des Erwerbens. 

Das Andenken an die Reichen erlischt mit ihrem Tode; das Andenken an die Weisen wird nie vergehen; denn Weisheit und Wissenschaft sind rechtmäßige Kinder ihrer Eltern, nicht aber Bastarde, wie Geldschätze. Liebe den Ruhm und fürchte dich nicht vor der Armut.“

„Häufig erniedrigt Geldgier auch gute Meister zu Handwerkern. So hatte es mein Landsmann und Kollege, der Florentiner Perugio, zu einer solchen Schnelligkeit in der Erledigung von Aufträgen gebracht, daß er eines Tages seiner Frau, die ihn zum Mittagessen rief, vom Gerüst herab antwortete: „Trage die Suppe auf ich male inzwischen noch rasch einen Heiligen.“

„Nur geringes erreicht ein Künstler, der nie an sich zweifelt. Wohl dir, wenn dein Werk höher steht, als du es einschätzest; schlimm für dich, wenn es nur deiner Meinung entspricht; ganz böse aber, wenn es weniger wert ist - was gerade bei denen vorkommt, die sich wundern, daß Gott ihnen half, es so schön zu machen.“

„Ein Künstler mit knotigen, knochigen Händen stellt gern Menschen mit ebenso knotigen, knochigen Händen dar. Das gilt für jeden Körperteil; denn jedem Menschen gefallen die Gesichter und Körper, die seinem eigenen Gesicht und Körper gleichen.

Deshalb wählt ein häßlicher Künstler für seine Bilder auch häßliche Gesichter und umgekehrt. Hüte dich davor, daß die von dir dargestellten Frauen und Männer in ihrer Schönheit und Häßlichkeit wie Zwillingsschwester und -brüder wirken.

Das ist ein vielen italienischen Malern eigener Fehler!

Denn der gefährlichste und verräterischste Fehler in der Malerei ist die Wiedergabe des eigenen Körpers. Ich glaube, das kommt daher, weil die Seele die Gestalterin des eigenen Körpers ist: 

sie hat ihn einst nach ihrem Ebenbild, sich selbst zum Bilde geschaffen und geformt, und wenn sie jetzt mit Hilfe von Pinsel und Farben einen neuen Körper schaffen soll, so wiederholt sie mit Vorliebe die Gestalt, in der sie sich bereits einmal verkörpert hat.“

 „Trachte danach, daß dein Werk den Beschauer nicht abstößt wie kalte Winterluft einen Menschen, der eben aus dem Bette steigt, sondern daß es ihn anzieht und seine Seele fesselt, wie die Frische eines Sommermorgens den Schläfer aus dem Bette lockt."


Hier die Geschichte der Malerei, 

wie sie der Meister in wenigen Worten vortrug:

„Nach der Römerzeit, als die Maler einander nachzuahmen begannen, geriet die Kunst für viele Jahrhunderte in Verfall. Dann trat Giotto auf, ein Florentiner, der sich damit begnügte, seinen Lehrer Cimabue nachzuahmen.

Geboren in einer öden Berggegend, in der nur Ziegen und andere Tiere hausten, und von der Natur selbst zur Kunst angeregt, zeichnete er anfangs auf Steinen die Bewegungen der Ziegen, die er hütete, und aller anderen Tiere, die in jener Gegend lebten. So kam er schließlich durch lange Übung soweit, daß er nicht nur alle Meister seiner Zeit, sondern auch die vergangener Jahrhunderte übertraf.

Nach Giotto verfiel die Kunst der Malerei von neuem, weil wieder jeder nur alte Vorbilder nachahmte. Das währte ein ganzes Jahrhundert, bis der Florentiner Tommaso, genannt Masaccio, durch seine vollendeten Werke bewies, wie viel Kräfte diejenigen unnütz vergeuden, die andere Vorbilder wählen, und nicht die Natur selbst, die Lehrmeisterin aller Lehrmeister!“

„Das erste Werk der Malerei war die Linie, die jemand um den von der Sonne auf eine Wand geworfenen Schatten eines Menschen zog.“

 

 

Der Meister sagte: 

„Nicht die Erfahrung, die Mutter aller Künste und Wissenschaften, täuscht die Menschen, sondern die Phantasie, die ihnen etwas verspricht, was die Erfahrung nicht zu geben vermag. 

Die Erfahrung ist schuldlos, aber unsere eitlen und aberwitzigen Wünsche sind verbrecherisch. Indem sie Lüge von Wahrheit scheidet, lehrt uns die Erfahrung, nur nach dem Möglichen zu streben und nicht aus Unwissenheit auf Unerreichbares zu hoffen, damit wir uns nicht, in unseren Hoffnungen betrogen, der Verzweiflung überlassen.“

Der Meister sagte weiter: 

„Künstler, deine Stärke liegt in der Einsamkeit. Wenn du alleine bist, gehörst du ganz dir selbst; bist du aber mit einem Gefährten zusammen, so gehörst du dir nur zur Hälfte oder noch weniger, je nachdem wie unbescheiden dein Freund ist. Hast du mehrere Freunde, so ist es noch schlimmer für dich. Sagst du aber: ich verlasse euch und bleibe allein, um mich ungehindert der Betrachtung der Natur zu widmen — so sage ich dir: 

es wird dir kaum gelingen, denn du wirst nicht die Kraft haben, dich nicht abziehen zu lassen und nicht auf das Geschwätz der anderen zu hören. Du wirst ein schlechter Freund sein und ein noch schlechterer Arbeiter, denn niemand kann zwei Herren dienen. 

Erwiderst du aber: ich gehe soweit fort, daß ich ihr Gespräch überhaupt nicht mehr höre — dann sage ich dir: sie werden dich für verrückt halten, und du bleibst doch ganz allein. Willst du aber unbedingt Freunde haben, so seien es Maler und Schüler aus deiner Werkstatt. Jede andere Freundschaft ist gefährlich. Gedenke dessen, Künstler, deine Stärke liegt in der Einsamkeit.“

Der Meister gestattet nicht, daß man irgendeiner lebenden Kreatur, sei es auch nur einer Pflanze, ein Leid antut. Der Mechaniker Zoroastro da Peretola hat mir erzählt, Leonardo esse seit früher Jugend kein Fleisch und behaupte, es werde eine Zeit kommen, da alle Menschen, gleich ihm, sich mit Pflanzenkost begnügen und das Töten von Tieren ebenso frevelhaft halten würden, wie den Mord eines Menschen.

Als wir einmal an einem Fleischerladen auf dem Mercato Nuovo vorüberkamen, wies er mit Abscheu auf die toten Kälber, Schafe, Ochsen und Schweine an den Hölzern und sagte zu mir: „Ja, der Mensch ist in Wahrheit der König der Lebewesen, oder richtiger gesagt, der König der Bestien, denn das Bestialische in ihm ist sein Größtes...“ Und nach einer Pause fügte er mit leiser Trauer hinzu: „Wir gründen unser Leben auf dem Tode anderer Wesen! Menschen und Tiere sind ewige Todesstätten - die einen sind das Grab für die anderen... “

„Die Natur hat eine unendliche Freude daran, neue Formen zu erfinden und neues Leben zu schaffen und bringt sie schneller hervor, als die Zeit sie vernichten kann. Sie hat es daher so eingerichtet, dass die einen Geschöpfe sich von den anderen nähren, um Platz zu schaffen für kommende Geschlechter. Deshalb schickt sie oft Seuche und Pestilenz dahin, wo die Geschöpfe sich allzusehr vermehrt haben - namentlich die Menschen, bei denen der Geburtenüberschuß nicht durch die Sterblichkeit ausgeglichen wird, weil sie nicht von anderen Tieren aufgefressen werden."

So erklärte Leonardo zwar mit großer Geistesruhe die Naturgesetze, ohne sich zu empören und ohne zu murren; er selbst aber handelt nach einem anderen Gesetz, indem er sich jeder Nahrung enthält, die von einem lebenden Wesen stammt.

 

 

Tür der Burg zu Ottersberg auf dem Amtshof, ein Bau der Weserrenaissance

Letzte Umschlagseite

 

 


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