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DAS NEUNTE LEBENSJAHR VON HERMANN KOEPKE

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DAS NEUNTE LEBENSJAHR VON HERMANN KOEPKE

Als erfahrene Pädagogin wusste sie um den Verlust der Kindheitskräfte genau Bescheid. Bei einer Hospitation im Rahmen ihrer staatlichen Lehrerausbildung hatte sie es selber erlebt, dass die „Kleinen“ sonnig und froh zur Schule kamen und die „Grossen“ blass und matt, beinahe krank aussahen. Als sie erkannte, dass die Kinder ihre besten Kräfte in der Schule verloren hatten, stellte sich ihr die Frage, ob sie überhaupt Lehrerin werden könne. „Mit der Bürde dieses Problems beladen, ging ich in einen Vortrag, den Rudolf Steiner hielt”, erzählte sie weiter.

„Es geschah etwas ganz Unerwartetes. Mir war, als würde Rudolf Steiner vom Thema seines Vortrages abweichen und etwas sagen, was mit meinem persönlichen Problem zusammenhing. Er sprach von einem Fluss, der versickere, aber an einer anderen Stelle wieder hervortrete und weiterfliesse. Mit dieser Naturerscheinung verglich er eine seelische Entwicklung im Menschen. Es würden Kräfte in das Innere des Menschen verschwinden, die aber später, in verwandelter Form, wieder hervortreten könnten.’

Dieser Vortrag habe ihr eine grosse Erleichterung gebracht. Sie folgte dem Hinweis Rudolf Steiners und erlebte, dass durch die Waldorfpädagogik die reichen Phantasiekräfte in verwandelter Art tatsächlich wieder zurückkamen.

„Etwa zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahr macht das Kind eine merkwürdige Entwicklung durch”, fuhr sie fort. ”Das neunte Jahr liegt ja zwischen dem ‚Zahnwechsel und der Geschlechtsreife. Diese beiden auch körperlich hervortretenden Entwicklungsstadien sind gut bekannt. Das neunte Jahr aber — Rudolf Steiner sprach immer von dem ‚Übergang des Lebens’ — ist etwas, was sich in erster Linie im Seelisch—Geistigen abspielt; das bedeutet aber nicht, dass es deswegen minder wichtig ist, im Gegenteil, es handelt sich ja um den allerwichtigsten Lebenspunkt. Da versickert etwas, und etwas tritt neu hervor.”

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