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STEIN: DIE MODERNE NATURWISSENSCHAFTLICHE VORSTELLUNGSART UND DIE WELTANSCHAUUNG GOETHES WIE SIE RUDOLF STEINER VERTRITT

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STEIN: DIE MODERNE NATURWISSENSCHAFTLICHE VORSTELLUNGSART UND DIE WELTANSCHAUUNG GOETHES WIE SIE RUDOLF STEINER VERTRITT

Was ist der Teil des Denkens, der in das gewöhnliche Bewußtsein deshalb nicht eingeht, weil dieses Bewußtsein des Denkens nicht anders, als in der Erinnerung habhaft wird?

Die Beantwortung dieser Frage ist von der größten Bedeutung.

Es ist nämlich in der Erinnerung nur  d a s  festhaltbar, was seinem Wesen nach nicht zerstört wird, wenn man es starr, bewegungslos macht. Die Erinnerung bewahrt zwar äußere Gestalten, Bilder, Formen, auch Werdeprozesse im Objektiven. Wir haben aber kein Erinnerungsvermögen für Werdeprozesse des Denkens. Das Bewegte als Bewegtes, das Lebendige als Lebendiges, kann erinnert werden im Objektiven — das Werden des Denkens selbst aber so wenig, wie eine Pflanze frisch bleiben und Blätter und Blüten entwickeln kann, wenn man sie in ein Herbarium legt. Wir können sozusagen nur den Gedankenleichnam erinnern (Vgl. „Von Seelenrätseln“ - I.Anthropologie und Anthroposophie, II.Max Dessoir über Anthroposophie, III.Franz Brentano (ein Nachruf) von Rudolf Steiner, Berlin, 1917, S.215-218: „Von der Abstraktheit der Begriffe“).

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WOLFRAM VON ESCHENBACH - PARZIVAL VON WALTER JOHANNES STEIN

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WOLFRAM VON ESCHENBACH - PARZIVAL VON WALTER JOHANNES STEIN

Da erzählt sie ihm, alle Samstagnacht, am Saturntag, wenn er zu Ende gegangen ist, erscheint die Gralsbotin Kondrie la Sorzier; für die ganze Woche bringt sie Nahrung. Da fragt er nach dem Ring, Klausnerinnen pflegten doch sonst nicht der Liebschaft. Da sagte sie, sie sei rein, sie trauere um einen Mann, der ihre Minne niemals gewonnen habe, Orilus habe ihn im Kampfe erschlagen. Ihre Treue aber überdaure den Tod. Vor Gott empfinde sie sich mit ihm in rechter Ehe verbunden, anders seien sie nicht getraut gewesen. Da erkannte er Schionatulander und Sigune.Und sie erkannte ihn, indem sie ihm ins Antlitz blickte und seine Züge unter dem Eisenrost wahrnahm. Da fragt sie ihn nach dem Gral:

Ob er seine Kraft nun erkannt habe, ob er den Weg gefunden habe?

Da klagt ihr Parzival sein Leid. Um den Gral trage er Sorge und um die schönste Frau. Zum Gral sei er nicht wieder zurückgekehrt, den Weg habe er nicht gefunden.

Um ihren Rat bittet er sie. Da rät sie ihm: verfolge die Spur der Kondrie, der Gralsbotin. Noch ist es nicht lange, dass sie da war. Die Spuren müssen noch frisch sein, die das Maultier in den Boden getreten hat. An dem Brunnen zwischen den Felsenspalten pflege sie das Maultier festzubinden. Parzival folgt dem Rate, aber die Spur verschwindet.

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HEINRICH O.PROSKAUER - ZUM KAMPF UM GOETHES FARBENLEHRE

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HEINRICH O.PROSKAUER - ZUM KAMPF UM GOETHES FARBENLEHRE

Folgender Versuch wurde durchgeführt:

Fünf Versuchspersonen bekamen jede Papier und verschiedene Farbenkästen mit Aquarellfarben. Am Nörrenberg’schen Fallapparat wurde ihnen fortwährend dasselbe grüne Bild gezeigt, und der graue Schirm darüber fallen gelassen, so daß sie das rote Nachbild ständig erzeugen konnten. Sie versuchten nun dieses Nachbild, wie es jeder sah, so ähnlich wie möglich, in seinem Farbton zu malen. Das Resultat waren fünf erstaunlich ähnliche Bilder. Es wurde nun eines nach dem andern an den Fallschirm geheftet und das Nachbild neuerdings erzeugt. Völlig übereinstimmend waren die Urteile der Versuchspersonen, inwiefern das gemalte Bild dem gesehenen entsprach oder nicht. Mit Leichtigkeit konnte Übereinstimmung erzielt werden, welches von den fünf Bildern von allen als das am besten getroffene bezeichnet wurde.

Aus den gemalten Bildern, sowie den völlig ubereinstimmenden Urteilen bezüglich des besten Bildes, kann entnommen werden, daß offenbar jeder von der bestimmten gebotenen Farbe die gleiche „geforderte” Farbe sah. Das würde bedeuten, daß eine höhere Gesetzmäßigkeit als die der leiblichen Wirksamkeit der verschiedenen Augenpaare, beim Auftreten der geforderten Farben dominiert.

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ODILON REDON - SELBSTGESPRÄCH

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ODILON REDON - SELBSTGESPRÄCH

Ach, welch ein Gegensatz klaffte zwischen dem, was ich bei ihm hörte und dem, was man in den Schulen lehrte.

Was für einen Unterricht haben wir erhalten und selbst die nach mir kommende Generation? Kann ein Lehrer, während seiner Runde im Atelier, jedem mit dem Modell beschäftigten Schüler das richtige, ihn erlösende Wort mitgeben, das hinter jeder Stirn nach dem ihm eigenen Gesetz fruchtbar wird? Nein, schwerlich. In jedem Schüler, jedem Kind birgt sich das überraschende Geheimnis seines Werdens. Wird der Lehrer den Takt, den Scharfblick, die divinatorische Feinheit des Blicks haben, die ersten, stammelnden Versuche seines Schülers zu fruchtbarer Entfaltung zu bringen?

Wer unterrichtet, will, im allgemeinen, nur das Tun der Meister weitergeben, doch, leider, ist er selbst zu dieser Übermittlung nicht befugt. Er gibt sie weiter, so gut er kann, mehr schlecht als recht, wie ein Grammatiklehrer, mittels einer Analyse der großen, zeitüberdauernden Werke der Vergangenheit; aber er gewinnt daraus nur theoretische, auf Formeln gebrachte Erfahrungen, denen die zwingende Kraft der Liebe fehlt. Um glauben zu können, bedarf es der Liebe und, um handeln zu können, des Glaubens: den besten Unterricht wird der erteilen, der den Schüler bereits durch eine Offenbarung des Schöpferischen, die von der Schönheit seiner eigenen Werke ausgeht, zu ergreifen vermochte.

So etwas gibt es heute nicht. Mein Freund Stéphane Mallarmé, den ein wirklich unabhängiger Geist stets beeindruckte, war ebenso für die Abschaffung des Gymnasiums wie für die der Guillotine. Vielleicht dachte er an den Anspruch, den sein Lehrberuf an ihn stellte, gewiß dachte er aber auch an den unzulänglichen Unterricht, den der Student erhält und mit der Menge seiner Kameraden teilen muß. Er findet dort mühsamer zu sich selbst, als wenn er zwanglos allein wäre.

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WALTER JOHANNES STEIN. EINE BIOGRAFIE

Anthroposophie Dreigliederung Erkenntnistheorie Geisteswissenschaft Hellseher Menschliches Seelenleben

WALTER JOHANNES STEIN. EINE BIOGRAFIE

Während ich diesem Vortrag zuhörte, sagte ich mir: ,Dieser Mann, der Rudolf Steiner heißt, gibt wirkliche Anweisungen zur Entwicklung eines dreigegliederten hellseherischen Bewusstseins. Nun sagt er mir in seinen Büchern, daß er nichts lehre, was er nicht selbst gefunden habe. Also muß er diese Fähigkeit selbst besitzen; er muß hellsichtig sein. Falls das zutrifft, muß er auch in der Lage sein, meine Gedanken zu lesen; er wird meine jetzigen Gedanken lesen können. Ich kann ihm also Fragen stellen, einfach indem ich sie denke, und er wird sie mir im Verlauf des Vortrages beantworten können.‘ Dies tat ich nun. Ich fragte wieder und wieder, und jedesmal antwortete er.

Da ich jedoch eine kritische und wissenschaftliche Bildung genossen hatte, sagte ich mir: „Warum sollte das nicht einfach eine Illusion sein? Die Fragen, die ich stelle, ergeben sich ja auf logische Weise aus dem Inhalt seines Vortrags. Andererseits entwickelt er aber seinen Gegenstand ebenfalls in logischer Art. Er gibt mir also gar nicht Antwort, es besteht kein Anlass, den Schluß zu ziehen, er müsse sich meiner Fragen bewußt sein. Ich bilde mir bloß ein, daß dies so ist, weil ich wünsche, daß es so wäre.

Nach dem Vortrag ergab sich jedoch die Gelegenheit, aufgeschriebene Fragen abzugeben.

Ich schrieb auf ein Stück Papier:

Was kam zuerst: menschliche Sprache oder menschliche Vernunft?

Rudolf Steiner kam schließlich auch zu meiner Frage, las und beantwortete sie, doch er tat dies nicht von dem Gesichtspunkt aus, den ich im Auge gehabt hatte. Meine Frage war von einem Buch, das ich gelesen hatte, angeregt gewesen, von Lazarus Geigers Buch Ursprung und Evolution der menschlichen Sprache und Vernunft. Ich wollte wissen, auf welche Weise und in welcher gegenseitigen Beziehung sich Sprache und Vernunft in der langen Menschheitsgeschichte entwickelt hatten; er antwortete dagegen nicht vom Gesichtspunkt der Geschichte der Menschheit, sondern von demjenigen der individuellen Entwicklung des Kindes.

Ich war bitter enttäuscht; offensichtlich hatte er meine Frage nicht verstanden. Rudolf Steiner legte meinen Zettel nieder und schwieg einige Augenblicke. Dann nahm er ihn wiederum auf und sagte: ,Was ich eben gesagt habe, gilt nur von einem bestimmten Gesichtspunkt aus; es gibt auch noch einen anderen Aspekt, den der Urheber der Frage im Sinne hatte.‘ Und er ging dazu über, zu zeigen, wie sich in der Entwicklung der Menschheit Sprache und Vernunft, die eine anhand der anderen, entwickelt hatten.

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